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Äolsharfe

"Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich,
Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich."

Viele vermuten in der Äolsharfe ein Instrument, das ausschließlich dem erwähnten Geisterreich angehört. Doch die Äolsharfe gibt es wirklich: Seit dem 17. Jahrhundert bekannt, ist sie ein zitherartiges Saiteninstrument, dessen Saiten der Wind in Schwingungen versetzt und dadurch einen schwebenden Zusammenklang hervorbringt.

Alle Saiten sind auf denselben Ton gestimmt, aber von unterschiedlicher Stärke. Im Fall der im Museum ausgestellten Äolsharfe sind zehn der Saiten aus Darm und zwei aus Messing. Je nach Windgeschwindigkeit verändert sich die Intensität der Obertöne, und da die Saiten verschieden dick sind, treten unterschiedliche Obertöne hervor. Bei stärkerem Wind können die dünneren Saiten bis in die Region oberhalb des achten Obertones schwingen. Wenn die Obertöne einen Ganz- oder Halbton differieren, tritt der charakteristische Klangeffekt der Äolsharfe auf.

Unsere um 1800 gefertigte Äolsharfe hat die Form eines gleichseitig-dreikantigen Prismas. Die Resonanzdecken sind aus Fichtenholz gefertigt und mit Mahagoni umleimt. Das Instrument sitzt auf einem Dreifuß drehbar auf. Man stellte Äolsharfen dieser Art an geöffnete Fenster, um sich bei Durchzug von den wechselvollen Klängen meditativ inspirieren zu lassen.

Äolsharfe, Kat.-Nr. 2642 (Flash)