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Tempomessungen in Klaviersonaten Ludwig van Beethovens

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Heinz von Loesch und Fabian Brinkmann

In einem mehrjährigen Projekt des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz und des Fachgebiets Audiokommunikation der Technischen Universität Berlin haben wir in Interpretationen von drei Klaviersonaten Ludwig van Beethovens (Appassionata, Sonate op. 2 Nr. 3, Hammerklaviersonate) aus den 1920er bis 2000er Jahren – genauer gesagt: in ihren ersten Sätzen – Takt für Takt das Tempo gemessen und hinsichtlich einer Reihe von Faktoren befragt: Haben sich das Tempo und die Tempogestaltung im Lauf der Zeit verändert? Gibt es national- bzw. kulturspezifische Traditionen? Lassen sich intersubjektive Tempoentscheidungen dingfest machen? Wie hat sich die Tempogestaltung bei ein und demselben Künstler über die Jahre und Jahrzehnte gewandelt? Wie verhält sich die interpretatorische Praxis zu dem, was die Werkausgaben berühmter Interpreten empfehlen?

Erste Teilergebnisse zu den Tempogeschichten der drei einzelnen Sonaten wurden bereits an anderen Orten publiziert. (  1) Da sie in ihren individuelleren, werkspezifischeren Fragestellungen zuweilen über den vorliegenden Text hinausgehen, seien sie gleichfalls zur Lektüre empfohlen. Dass dieser Text nicht unser letzter Beitrag zu dem Thema sein wird, braucht kaum gesagt zu werden. Und angesichts der Fülle offener Fragen wird es sich jedem Leser von allein erschließen. Der Text versteht sich lediglich als eine Art größerer Zwischenstandsbericht.

Ein Dank geht zunächst und vor allem an die Studentinnen und Studenten des Fachgebiets Audiokommunikation der Technischen Universität Berlin, die im Laufe mehrerer Semester zum »Appassionata-Projekt« an den umfangreichen und zeitaufwändigen Tempomessungen sowie an der statistischen Auswertung der Ergebnisse beteiligt waren. Für wohlwollende bis tatkräftige Unterstützung des Projekts danken wir dem Direktor des Staatlichen Instituts für Musikforschung Dr. Thomas Ertelt sowie dem Leiter des Fachgebiets Audiokommunikation Prof. Dr. Stefan Weinzierl. Ein ganz besonderer Dank geht an Frau Dr. Simone Hohmaier vom SIMPK, die die Mühe auf sich genommen hat, den Text kritisch gegenzulesen, an Frau Anne-Katrin Breitenborn vom SIMPK für die Bearbeitung der Graphiken und schließlich an die Assistentin des SIMPK Elisabeth Heil, die so freundlich war, die Onlineredaktion des Textes auf der Internetseite des SIMPK zu übernehmen.

Ein Wort noch zur Redaktion. Bei allen verallgemeinernden Aussagen über Pianistinnen und Pianisten haben wir aus pragmatischen Gründen stets die männliche Wortform ›Pianisten‹ verwendet, wobei selbstverständlich auch die Pianistinnen mit gemeint sind. Alle anderen denkbaren Varianten schienen uns entweder zu umständlich, unschön oder schlicht grammatikalisch inexistent zu sein.

Berlin, den 21. Februar 2013
Heinz von Loesch und Fabian Brinkmann




Inhalt

  1. Tempo und Temposchwankungen – Eine kurze Vorüberlegung zur Relevanz der Fragestellung
  2. Zur Methodologie der Tempomessungen
  3. Zur Auswahl der Stücke
  4. Zur Auswahl der untersuchten Aufnahmen
  5. Autographes Tempo in Beethovens Hammerklaviersonate – Praxis und Theorie
  6. Tempobefunde
     a. Bandbreite mittlerer Tempi
     b. Geschichte des mittleren Tempos
     c. Tempo, Temposchwankungen und Tempoamplitude: deutsch-österreichische und russisch-sowjetische Pianisten
  7. Tempointerpretationen
      a. Bandbreite mittlerer Tempi
      b. Geschichte des mittleren Tempos
      c. Tempo, Temposchwankungen und Tempoamplitude: deutsch-österreichische und russisch-sowjetische Pianisten
  8. So machen’s alle
  9. Mehrfacheinspielungen
  10. Artur Schnabel gegen sich selbst
  11. Von Schlag zu Schlag
  12. Ausblick


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Fußnote

1. Heinz von Loesch und Fabian Brinkmann,    Das Tempo in Beethovens Appassionata von Frederic Lamond (1927) bis András Schiff (2006), in:    Gemessene Interpretation. Computergestützte Aufführungsanalyse im Kreuzverhör der Disziplinen, hrsg. von Heinz von Loesch und Stefan Weinzierl, Mainz 2011 (Klang und Begriff 4), S. 83–100; Dies., ›Die Tempogestaltung in Artur Schnabels Appassionata-Einspielung im Kontext zeitgenössischer Interpretationen‹, in:    Beethoven 5 – Studien und Interpretationen, hrsg. von Mieczysław Tomaszewski und Magdalena Chrenkoff, Krakau 2012, S. 215–224; Dies., ›»Diese Sonate ist als reine Virtuosen-Sonate zu beachten« – Das Tempo in Beethovens Klavier-Sonate op. 2/3 von Josef Hofmann (1929) bis Lang Lang (2010)‹, in: Vom Klang zur Schrift – von der Schrift zum Klang. Beiträge des Seminars in Münster 2012 und des Kongresses in Magdeburg 2012 (EPTA-Dokumentation 2012), Düsseldorf 2014, S. 122–135; Dies., ›»Feurig« oder »majestätisch«? – Tempo und Deutung im ersten Satz von Beethovens Hammerklaviersonate‹, in: Beethoven 6 – Studien und Interpretationen, hrsg. von Mieczysław Tomaszewski und Magdalena Chrenkoff, Krakau (im Druck).