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Aus dem Depot

Spielapparate und Übungsgeräte

Temporäre Ausstellung

1. September 2015 bis 28. März 2016



Ein Musikinstrument erklingt erst durch das Spielen. Das Spielen richtig zu erlernen erfordert
viel Zeit, Mühen und Kosten sowie geschickte Hände, ein gutes Gehör und Rhythmusgefühl ...



Spielapparate sind zwischen Instrument und Spieler geschaltet und übernehmen eine bestimmte Funktion. Meist ist es das Greifen von Akkorden (Liebmannista, Guitarion, Arion), aber auch die Imitation eines anderen Instruments (Mandolinette). Mit zugehörigen Lehrwerken, Anleitungen oder Notenbüchern werden sie zum eigenen System erhoben (Columbus).













Sie sollten Musikliebhabern das Musizieren ohne den langwierigen und mühsamen Weg über teure oder unerschwingliche Unterrichtsstunden ermöglichen und wurden seit etwa 1900 industriell in größeren Stückzahlen hergestellt. Ein anderer Versuch für einen ähnlichen Zweck ist die vermeintliche Vereinfachung der Spielweise durch eine zusätzliche Mechanik wie bei der mit Klappen ausgestatteten Mundharmonika.


Übungsgeräte wurden in einer parallelen Entwicklung ebenso seit etwa 1900 serienmäßig hergestellt. Ihnen liegt jeweils eine Methode zugrunde (Virgil Practice Klavier, Assouplisseur Ochydactyl), die das Erlernen des Spielens zu beschleunigen oder zu verbessern verspricht. Dabei sollen technische Grundlagen bewusst erworben oder physisch bedingte Schwächen durch gezielte Übungen überwunden werden. Transportable stumme Klaviaturen (Oliver Ditson Company) ermöglichen dem Pianisten auf Reisen Fingerübungen oder das Ausprobieren von Fingersätzen.


Neben diesen kommerziell verbreiteten Apparaten und Geräten gibt es Objekte in Einzelanfertigung, welche die Bestrebung dokumentieren, eine Lösung für ein individuelles Anliegen zu finden. So wurde eine Geige mit einer Tasten-Spielvorrichtung versehen, die es dem Spieler erlaubt, mit ausgestreckter Hand und ohne Intonationsschwierigkeiten zu spielen.













In einem anderen Fall wurde eine stumme Klaviatur klappbar unter Verwendung von Teilen einer Piano-Klaviatur gebaut. Dass das Anschlagsgewicht regulierbar ist, deutet auch auf das Bedürfnis hin,
bestimmte Fingerfertigkeiten zu üben.


Die Spielapparate und Übungsgeräte werden heute zumeist nicht mehr genutzt. Verwendet werden im Unterricht weiterhin die bedeutenden Etüdensammlungen (Clementi, Czerny) in Kombination mit dem Metronom (Robert Cocks & Co. nach Mälzel), die dem Klavierspieler zu verbesserten technischen Fertigkeiten auf seinem Instrument verhelfen. Dabei arbeiten die Hände stets im direkten Kontakt mit dem Instrument. Die im 19. Jahrhundert verbreiteten Handabgüsse berühmter Interpreten (Chopin, Koczalski, Wüllner-Hoffmann) verkörpern die Faszination für das virtuose Spiel.


Geblieben ist eine Fülle von Erfindungen: eine Funktion durch eine besondere Mechanik per Knopfdruck zu erreichen oder das Spielen eines Instruments durch ein Gerät zu simulieren; technische Anstrengungen, wofür auch die Notenschreibmaschine (Nototyp) zur Mechanisierung der Notenhandschrift beispielhaft steht.













Konstruiert nach dem Prinzip der Typenstoßstange, statt der meist genutzten Bauart der Typenhebelschreibmaschine, garantiert sie die für die Notenschrift wichtige Geradlinigkeit.

… und schließlich bleiben Überlegungen, wie das Spielen physiologisch bestimmt ist und wie es verbessert werden kann, also die Auseinandersetzung mit dem Spielen an sich.

Idee und Realisation: Sabine Hoffmann