###

Czerny – Pianist, Komponist, Pädagoge

"Ich habe an Czerny immer den blutvollen Musiker geschätzt" (Igor Strawinsky)

Internationaler wissenschaftlicher Kongress
zum 150. Todestag von Carl Czerny

19. bis 21. Oktober 2007

Staatliches Institut für Musikforschung PK
Musikinstrumenten-Museum
Tiergartenstraße 1 (Eingang: Ben-Gurion-Straße)
10785 Berlin

"Schülerschreck" – mehr fällt vielen zu Czerny meist nicht ein. Mit Carl Czerny (1791–1857) wollen wir zu seinem 150. Todestag eine der umstrittensten und vielgeschmähtesten Persönlichkeiten der Musikgeschichte würdigen und gleichsam neu vermessen: den Verfasser ungezählter Klavier-Etüden, Schüler Beethovens und Lehrer Franz Liszts, Autor mehrerer Schriften zur Interpretation beethovenscher Musik, die bis heute den Grundstein der Historischen Aufführungspraxis bei Beethoven bilden, den Nestor des "brillanten Stils", frühen Herausgeber von Werken Bachs, Scarlattis und Mozarts sowie nicht zuletzt den "ernsten" – und ernstzunehmenden – Komponisten.

Dabei darf u.a. erstens die alte Czerny-Kritik auf den historisch-kritischen Prüfstand (die am "Schülerschreck" wie jene am brillanten Stil). Zweitens gilt es, Czernys Bedeutung für die Historische Aufführungspraxis auch jenseits von Beethoven zu diskutieren. Drittens soll Czerny endlich aber auch als Verfasser von ernster Musik zur Kenntnis genommen werden. Seit dem kanadischen Czerny-Festival 2002 ist bekannt, dass Czerny keineswegs nur pädagogische Musik und Musik im brillanten Stil verfasste, sondern auch Musik im (von ihm so genannten) ernsten Stil: Sonaten, Streichquartette, Symphonien, Lieder, Kirchenmusik usw. – Werke, die offensichtlich sehr viel besser sind, als man bei Czerny je glauben wollte. Ihn auch in dieser Funktion zu würdigen und historisch zu lokalisieren – erstaunlicherweise weniger zwischen Beethoven und Liszt als zwischen Mozart, Schubert, Mendelssohn und Brahms –, ist uns ein zentrales Anliegen.

Neben einem dreitägigen internationalen   Kongress (19. Oktober 2007, 10 Uhr bis 21. Oktober 2007, 13.30 Uhr) und einer Reihe von   Konzerten, die in einem nächtlichen Etüden-Marathon unter Beteiligung der Musikschulen und Musikhochschulen Berlins gipfelt (26. Januar 2008), zeigen wir die Jubiläums-Ausstellung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, die der Person und dem Wirken Carl Czernys in der Donaumetropole gewidmet ist. Das Archiv der altehrwürdigen Wiener Institution, das außer den Nachlässen bzw. Teilnachlässen von Beethoven, Schubert oder Brahms auch den Nachlass von Carl Czerny beherbergt, ist im Besitz einer Fülle von bedeutenden Czernyiania, die es hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert, darunter selbstverständlich eine Vielzahl von Czerny-Autographen und -Frühdrucken, aber auch mehrere originale Briefe Beethovens an seinen geschätzten Schüler, Briefe Liszts an seinen Lehrer, eine Scarlatti-Ausgabe von Czerny mit den Korrekturen und Glossen von Johannes Brahms – gleichfalls kein Verächter Czernys! – sowie der in sehr gutem Zustand befindliche Bösendorfer-Flügel aus dem Besitz von Czerny, der auch in Konzerten erklingen wird. Im Kontext einer Reihe weiterer Preziosen aus dem Berliner Musikinstrumenten-Museum veranschaulicht die Ausstellung zugleich die erste große Blütezeit von Klavierspiel, Klaviermusik und Klavierbau in Wien vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis ins Biedermeier.


Vorträge

Freitag, 19. Oktober 2007
10.00–11.40 Uhr

Eröffnung

Otto Biba (Wien)
Czerny Januskopf

Heinz von Loesch (Berlin)
"wo das Wort 'brillant' in Schwung kam und sich Legionen von Mädchen in Czerny verliebten…". Carl Czerny und der "brillante Stil"

12.00–13.20 Uhr

Laurenz Lütteken (Zürich)
Wider die "brillante und wohlvorbereitete Charlatanerie": Czerny als Editor
von Mozart


Rena Mueller (New York)
Liszt's Programming of Czerny's Music

15.20–16.20 Uhr

Thomas Just
Czernys Bedeutung für die Klavierausbildung heute (Lecture-Recital)

16.40–18.10 Uhr

Ullrich Scheideler (Berlin)
Alte Musik als neue Musik: Zu Czernys Ausgaben von Musik des 18. Jahrhunderts

Grete Wehmeyer (Köln)
Czernys rasende Tempi (Lecture-Recital)


Samstag, 20. Oktober 2007
10.00–11.20 Uhr

Ingrid Fuchs (Wien)
Aus Carl Czernys Korrespondenz: Aspekte zu seiner Persönlichkeit

Andreas Meyer (Berlin)
Geheimnisverrat: Carl Czerny und die Selbstwiderlegung der Kunst

11.40–13.00 Uhr

Robert Pascall (Bangor)
Czerny, der Symphoniker

Andreas Jacob (Münster)
Quellenbefunde zu Czernys Streichquartetten: Vorläufige Überlegungen zu Datierung, Formkonzeption und kompositionsgeschichtlichem Kontext

15.00–16.00 Uhr

Peter Rummenhöller (Berlin)
"…um der Idee die gehörige Energie und Vollstimmigkeit zu geben" – zur vierhändigen Klaviermusik Carl Czernys (Lecture-Recital)

16.20–18.00 Uhr

Gottfried Scholz (Wien)
Von Beethoven zu Scarlatti: Czernys Klaviersonaten

Conny Restle (Berlin)
Czernys Klaviere (Lecture-Recital mit Li-Chun Su)


Sonntag, 21. Oktober 2007
10.00–12.00 Uhr

Manuel Gervink (Dresden)
"…trauriger Weise Lieblingsnahrung des Publicums": Verbreitung und Rezeption der Werke Carl Czernys

Michael Kube (Tübingen)
Zu Carl Czernys Messvertonungen

Christiane Tewinkel (Berlin)
Die Lieder


Konzerte

Freitag, 19. Oktober, 20.00 Uhr
CZERNY I: Kammermusik
Stipendiatinnen und Stipendiaten der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, Leitung: Jan Diesselhorst
Aus folgenden Werken Czernys: Grande Serenade concertante op. 126; Grande Sonate op. 686; Trio Nr. 2; Premier Grand Trio op. 105; Streichquartett d-Moll op. post.Eintritt: 7,50 EUR / ermäßigt 4,50 EUR

Samstag, 20. Oktober, 20.00 Uhr
CZERNY II: Klaviermusik
Li-Chun Su auf Czernys Bösendorfer-Flügel, Wien 1834
Sonate C-Dur op. 7; Variationen "über ein beliebtes Thema von Rode" op. 33; Amusement pour le Carneval – Choix de Walses brillantes et faciles Nr. 19–Nr. 26; Caprice e-Moll
Eintritt: 10,- EUR / ermäßigt 6,- EUR

Sonntag, 21. Oktober, 12.30 Uhr
CZERNY III: Geistliche und weltliche Vokalmusik
Studierende der Liedklasse Prof. Karola Theill, Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin
Lieder, Kanzonen und geistliche Werke
Eintritt: 7,50 EUR / ermäßigt 4,50 EUR

Sonntag, 28. Oktober, 11.00 Uhr
BEETHOVEN und CZERNY
Im Rahmen der Konzertreihe Alte Musik – live
Sheridan-Trio (Wolfgang Kühnl, Klavier; Yuki Kasai, Violine; Anna Carewe, Violoncello)
Czerny, Quatrième Grand Trio a-Moll op. 289; Beethoven, Trio Nr. 7 B-dur op. 97 "Erzherzogtrio"
Eintritt: 7,50 EUR / ermäßigt 4,50 EUR

Samstag, 26. Januar 2008
Lange Nacht der Museen
ETÜDEN-MARATHON
Schülerinnen und Schüler der Musikschulen und Musikhochschulen Berlins
Leitung: Arthur Hipp


Ansprechpartner:   Prof. Dr. Heinz von Loesch
Telefon +49 (0)30 254 81-130

Der Kongress wird gefördert durch die

  







Flyer [PDF, 1,9 MB]
  Hinführung Otto Biba, Der blutvolle Musiker
  Literatur zu Czerny aus der Bibliographie des Musikschrifttums
  Lageplan
  Wie Sie zu uns kommen
  Hotelangebote