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Kielklaviere und Clavichorde

Zu den umfangreichsten Sammelgebieten des Museums gehören die historischen Tasteninstrumente. Besaitete Instrumente, die mittels einer Tastatur gespielt werden, lassen sich ab der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisen. Vor dem 18. Jahrhundert gab es bei diesen Instrumenten im Wesentlichen nur zwei unterschiedliche Arten der Tonerzeugung: Bei den Kielklavieren werden die Saiten durch einen Federkiel angerissen; zu diesem Instrumententypus zählen Cembali, Spinette und Virginale. Bei den Clavichorden werden die Saiten von einer Tangente berührt und so in Schwingung versetzt. Anders als bei den Kielklavieren schwingt jedoch nicht die ganze Saite, sondern nur der rechts vom Anschlagspunkt befindliche Saitenteil, die übrige Saite wird durch eingeflochtene Tuchstreifen gedämpft.

Cembalo, Kat.-Nr. 320 [MP3, 240 KB]

Cembali und andere Kielklaviere besitzen keine Anschlagdynamik, d.h. die einzelnen Töne sind unabhängig von der Stärke des Tastendrucks in der Lautstärke nicht unterschieden. Dies ist beim Clavichord anders: Da die Tangente unmittelbar auf dem hinteren Ende des Tastenhebels aufsitzt, kann der Spieler die Anschlagstärke unmittelbar bestimmen und so kontinuierliche Lautstärkeabstufungen erreichen. Das Clavichord ist jedoch insgesamt ein recht leises Instrument.

Clavichord, Kat.-Nr. 227 [MP3, 480 KB]

Erst die Erfindung des Hammerflügels Ende des 17. Jahrhunderts ermöglichte eine Vereinigung von Anschlagdynamik und vollem Klang. Die neuen Möglichkeiten, die der Hammerflügel bot, beförderten dessen rasanten Aufstieg, der letztendlich zur Verdrängung des Clavichords und der Kielklaviere aus dem musikalischen Leben führte.