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Klang und Begriff. Band 1

Klang und Begriff. Perspektiven musikalischer Theorie und Praxis, Band 1

HEINZ VON LOESCH [Hrsg.]
Musikalische Virtuosität
Mainz 2004

Zu den musikwissenschaftlich bis heute ganz eigentümlich vernachlässigten Themen gehört das Phänomen der Virtuosität: sei es aufgrund eines undialektischen, wenn nicht moralinsauren Kunstbegriffs, sei es aufgrund einer einseitigen Fixierung auf musikalische "Strukturen" bei gleichzeitiger Vernachlässigung des "Klangs", sei es vielleicht aber auch, weil es sich tatsächlich sehr hartnäckig gegen jeden wissenschaftlichen - und nicht bloß feuilletonistischen - Zugriff sträubt. Ihm dennoch mit wissenschaftlichen Mitteln verstärkt zu Leibe zu rücken, ist Ziel der vorliegenden Publikation.

Im Zentrum steht der Versuch, der Virtuosität in den Werken der "abendländischen Kunstmusik" vom Barockzeitalter bis an die Schwelle zum 21. Jahrhundert habhaft zu werden: in den Werken u. a. von Frescobaldi, C. Ph. E. Bach, Mendelssohn, Schumann, Chopin, Liszt, Charles Valentin Alkan, der "Zweiten Wiener Schule", Messiaen, Xenakis, André Werner und Jörg Widmann. Voraus gehen mehrere Beiträge zur Theorie, Ästhetik, Sozialgeschichte und gender critique der Virtuosität, es folgen Reflexionen zur Didaktik und Psychomotorik. Beschlossen wird das Buch durch zwei exemplarische Betrachtungen der Virtuosität in der Pop-Musik und in indischer Musik.

Dürfte gerade im Nebeneinander so vieler Beiträge zur musikalischen Virtuosität einiges von der Schwierigkeit ihrer wissenschaftlichen Behandlung deutlich werden - es fällt nicht immer leicht, in den ästhetischen, sozial-, gender-, kompositions- und interpretationsgeschichtlichen Betrachtungen wirklich einen gemeinsamen, fest umrissenen Gegenstand zu erkennen -, so umkreisen die Ausführungen jedenfalls eines der aufregendsten und zugleich spezifischsten Themen einer Kunst, die erst im performativen Akt ganz zu sich selber kommt: einem Akt, der oft die höchste Virtuosität verlangt und provoziert.