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Italienische Meistergeigen

Die Violine ist das Sopraninstrument einer Instrumentenfamilie, die sich Anfang des 16. Jahrhunderts in Norditalien entwickelt hat. Spätestens in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bildete sich ein Standardtyp heraus, der sich mit geringfügigen bautechnischen Veränderungen bis heute gehalten hat.

Das wichtigste Zentrum des Geigenbaus war über Jahrhunderte hinweg Cremona. Hier befanden sich die Werkstätten der berühmten Instrumentenbauerfamilien Amati, Guarneri und Stradivari. Die Modelle der Cremonenser Meister waren Vorbild für den Geigenbau in ganz Europa - und sie wurden zur Grundlage zahlreicher Fälschungen. Im Unterschied zu archaischen Bauweisen - die man etwa im Geigenbau der » Alemannischen Schule tradiert findet -, wurden die Cremonenser Geigen mit Hilfe einer stützenden Innenform hergestellt, d.h. der Zargenkranz bzw. die einzelnen Zargenleisten wurden um ein vorgefertigtes Formbrett herumgelegt.

Das Musikinstrumenten-Museum hat einige herausragende Exemplare italienischen Geigenbaus in seinem Besitz. So bewahrt es eine von weltweit ca. 600 erhaltenen Stradivari-Geigen. Aufgrund unfachgemäßer Reperaturen hat das Instrument leider einen Gutteil seiner klanglichen Möglichkeiten eingebüßt. Doch auch in ihrem jetzigen Zustand legt es Zeugnis ab von der handwerklichen Kunst ihres Erbauers. Eine andere Cremonenser Geige, die vermutlich der Amati-Schüler Francesco Ruggieri gefertigt hat, befindet sich als Dauerleihgabe im Beethoven-Haus Bonn, da sie - zusammen mit drei anderen Streichquartettinstrumenten - aus dem persönlichen Besitz Beethovens stammt.

Ein Instrument von besonderem historischen Interesse ist eine Geige, die dem neapolitanischen Geigenbauer Gennaro Gagliano zugeschrieben wird. Im Gegensatz zu fast allen alten Streichinstrumenten ist diese Violine nicht im Laufe der Jahrhunderte den modernen Anforderungen der Musiker gemäß umgebaut worden: So besitzt sie z.B. noch ihren originalen, nicht verlängerten Hals. Äußerlich auffällig an dem Instrument ist der rötlich-orangefarbene Lack, den Gagliano verwendete. Den Klang dieses außerordentlichen Instruments kann man auf einer von Rainer Kussmaul eingespielten CD hören.

Violine von Gennaro Gagliano, Kat.-Nr. 5446 [MP3, 380 KB]