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Im SPK-Magazin zur Einheit

 

Mit Wäschekörben in den Osten

Dagmar Droysen-Reber

Geboren 1928 in Barmen
Seit 1965 am Staatlichen Institut für Musikforschung, ab 1984 Direktorin des Musikinstrumenten-Museums (West-Berlin). Von 1984–1991 Stellvertretende Direktorin des Staatlichen Instituts für Musikforschung, von 1991–1994 dessen Direktorin.

Wissen Sie, an dem Tag, an dem die Mauer geöffnet wurde, ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich saß vor dem Fernseher und habe geweint. Am 10. November herrschte dann große Unruhe unter den Mitarbeitern meines Hauses. Man lief zum Brandenburger Tor, sah die Menschenmengen, kam zurück und fragte sich: Was passiert jetzt? Als das Musikinstrumenten-Museum 1984 eröffnet hatte, lag das Haus ja noch direkt an der sogenannten Entlastungsstraße, die nach dem Mauerbau für die Verkehrsführung in West-Berlin notwendig geworden war. Und direkt dahinter, uns gegenüber, stand die Mauer. Nach dem 9. November verschwand sie dann so schnell, wie sie gebaut worden war. Ohne die Mauer war unser Haus ganz neu und viel besser zugänglich geworden! Es lag auf einmal an der großen Brache des Potsdamer Platzes und wir konnten plötzlich bis zum Gendarmenmarkt hinübersehen. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Die Entfernung schien kurz, aber die Brache war riesig und sehr schwer begehbar.
In den Siebzigerjahren hatte ich den damaligen Präsidenten Hans-Georg Wormit gefragt, warum das Institut ausgerechnet an der Mauer gebaut worden war. Er sagte, Sie werden sehen, wenn die Wiedervereinigung einmal kommt, dann stehen wir schnell in engem Kontakt mit den Museen und der Staatsbibliothek – und er hat Recht behalten! Schon kurz nach dem Mauerfall habe ich in der Staatsbibliothek Unter den Linden den Bestandskatalog des Musikinstrumenten-Museums von 1888 wiedergefunden. Und wenig später rief mich der Leiter der Musikabteilung an und sagte, sie hätten im Magazin Bücher mit dem Stempel „Musikforschung“ gefunden. Ob das wir seien. Dann sollten wir doch mal vorbeikommen. Da sind wir 1992 also mit großen Wäschekörben dorthin gegangen und haben körbeweise Bücher in unser Institut getragen! — KHE

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