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Studien zur Geschichte der Musiktheorie, Band 1

HEINZ VON LOESCH, Der Werkbegriff in der protestantischen Musiktheorie des 16. und 17. Jahrhunderts: Ein Mißverständnis. Hildesheim, Zürich, New York: Olms, 2001. (Veröffentlichungen des Staatlichen Instituts für Musikforschung. XI.)

Zu den prominentesten Thesen der musikalischen Ideengeschichtsschreibung gehört die Behauptung, dass der Begriff vom musikalischen Kunstwerk, die zentrale Kategorie unserer Ästhetik, bereits im 16. Jahrhundert formuliert worden sei. Und aus der Tatsache, daß die Formulierung dem unmittelbaren Umkreis der Wittenberger Reformatoren entsprang - Luther, Melanchthon, Bugenhagen -, schloss man auf einen spezifischen Zusammenhang zwischen Werkbegriff und Protestantismus.
In der vorliegenden Studie werden unter Bezugnahme auf das zeitgenössische musikalische, theologische und kunsttheoretische Schrifttum beide Behauptungen falsifiziert. Der Werkbegriff des 16. Jahrhunderts war nicht unser Werkbegriff. Und seine Formulierung in Wittenberg war kein Ausfluss protestantischer Dogmatik, sondern vielmehr das zufällige Resultat der durch Melanchthon inaugurierten protestantischen Aristoteles-Rezeption.