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"Die Finger müssen dem Gedanken folgen"

Wann: Fr 11.01.2019, 18:00 Uhr
Wo: Curt-Sachs-Saal

"Die Finger müssen dem Gedanken folgen"
(Rudolf Kolisch)
Schoenberg, Berg, Webern - wie man ihre Musik eigentlich spielen sollte

Gesprächs-Konzerte mit Berthold Tuercke und dem KNM Quartett

3. Teil

Arnold Schoenberg, IV. Streichquartett op. 37

KNM Quartett
Theodor Flindell, 1. Violine
Lisa Werhahn, 2. Violine
Kirstin Maria Pientka, Viola
Andreas Voss, Violoncello

Eintritt frei

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Als vor bald 100 Jahren das Quartett des Geigers und Schoenberg-Schülers Rudolf Kolisch sich in die Interpretation der Werke Schoenbergs und seines Schülerkreises vertiefte, entdeckten diese Musiker, dass die meisten der dort im Komponierten mitgedachten Spielweisen aus dem Repertoire der klassischen Quartettkomposition stammten; was kaum verwundert, da ja die Werke selbst sich auf dem Nährboden dieser Tradition gründen.

Wenn wir heute die Aufnahmen des Kolisch Quartetts und des späteren Pro Arte Quartetts hören, sind wir frappiert von der Durchsichtigkeit und Charakteristik dieser Einspielungen – trotz simpler Aufnahmetechnik und rauschender Klangqualität. Aus den Schriften und Vorträgen Kolischs erfahren wir wenig darüber, mit welchen spieltechnischen Mitteln dieses Darstellungsniveau erreicht wird, in dem die Symbiose von Konstruktion und Ausdruck dieser Musik aufscheint. Während meines Studiums bei Kolisch und dem Bratscher seines Quartetts, Eugene Lehner, habe ich einen Einblick in die konkreten Spielweisen erhalten, in ein Spiel, wo sich Fingersätze, Strich- und Zupfarten, Vibrato und Links-Akzente aus einem empathischen Denken entlang der musikalischen Charaktere und ihrer kompositorischen Rolle ausbilden – Spielweisen, die im heutigen Interpretationsstil vergessen sind. Sie zu reanimieren führt jedoch keineswegs zu einem ‘historischen’ Stil. Im Gegenteil: Jene Art der Aufführungspraxis erweist sich als zeitlos aktuell, einzig darauf bedacht, die Charaktere dieser Musik zum Sprechen zu bringen. Wenn das gelingt, entsteht ein – damals wie heute – fesselndes Spektrum von Ausdrucknuancen, von dem Interpreten (instrumentale wie wissenschaftliche), Zuhörer und nicht zuletzt auch Komponisten zehren können.

Berthold Tuercke

Einladung [PDF, 230 KB]